Die Kapelle

Seit dem 17. Jahrhundert steht in der Dorfmitte eine Kapelle. Hierin wurden nachweis­lich bis zum vergangenen Jahrhundert auch Gottesdienste gefeiert. Die Kapelle wurde unmittelbar nach Beendigung des 30-jährigen Krieges erbaut. Auf dem Türstein ist in lateinischer Schrift eingemeißelt, "HAEC DOMUS SANCTORUM AEDIFICATA IN HONOREM SANCTISSIMAE TRINITATIS DIVAEQUE VIRGINIS MARIAE 1649 17 MAY". Die Kapelle wurde danach zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und der Jungfrau Maria am 17. Mai 1649  geweiht.  Sie hat eine Größe von 4,00 x 3,60 m. Das Dach wird von einem kleinen Turm gekrönt.
          
Das Kapellenglöckchen wurde im Jahre 1773 gegossen und trägt die Inschrift ,,AT LAUDEM DEI FRANC FUCHS ME COLONIAE FECET. 1773“. Das heißt übersetzt: "Zu Ehre Gottes von Franz Fuchs in Köln gegossen"

Die Kapelle wurde aus Bruchstein (Feldsteinen) erbaut. Im Jahre 1908 wurde sie gründlich renoviert,  jedoch wenig glücklich. Das Bruchsteinmauerwerk  wurde verputzt und das Dach mit Dachzie­geln eingedeckt. In den Jahren 1944/ 45 erlitt die Kapelle schwere Kriegs-Beschädigungen, so daß größere Erneuerungsarbeiten nötig wurden. Hierbei erhielt das Dach wieder eine Schiefereindeckung.

Öffnet man die schwere alte Eichentür, so tritt man einen durch zwei kleine    Bogenfenster nur spärlich
beleuchteten Raum. Trotz des geringen Umfangs der Kapelle sind die Mauern ca. 55 cm dick. An der Ostseite steht auf einem Altartisch aus Buntsandstein eine St. Anna-Selbdritt-Holzplastik. Vor einigen Jahren wurde ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter angebracht, um sie vor Diebstahl zu schützen.

Nicht geklärt ist die Frage, ob nicht schon vorher eine Kapelle im Dorf gestanden hat, etwa in Holzbauweise. Weiterhin ist ungeklärt, woher die St. Anna-Selbdritt-Gruppe kommt. Denkbar könnte sein, daß sie aus dem Bestand der Lendersdorfer Pfarrkirche stammt. Bekanntlich erhielt die St. Michael-Kirche in Lendersdorf im 16. Jahrhundert den Schnitzaltar des bekannten Lübecker Bildschnitzers Benedikt Dreyer, der den Altar etwa in   den Jahre 1525 - 1530 schuf. Von ca. 1530 bis 1736 diente der Dreyeraltar als Hoch- und Hauptaltar der Kirche. Im linken Seitenflügel des Altars sind in zwei bildliche Darstellungen St. Anna  und St. Joachim, die Eltern Mariens, dargestellt. Konnte man deshalb eine möglicherweise vorhandene Darstellung der Mutter Anna der neu erbauten Kapelle überlassen?

Eine andere Theorie könnte besagen, daß ein Kapellenvorgängerbau in Verbindung zu bringen ist mit dem ältesten Hof und vermutlichen Ursprung des Dorfes, dem Bauschhof.  Da dieser Jülicher Lehnhof war, wäre es durchaus denkbar, daß ein Werk der Kölner Schule den Weg nach Berzbuir gefunden hat. Dies sind Fragen, die unbeantwortet bleiben. Es wäre eine reizvolle Aufgabe. diese Geheimnisse zu lüften.